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Traumatherapie mit TIST

Viele Menschen verbinden Trauma mit extremen, klar erkennbaren Ereignissen: Unfälle, Gewalt oder Katastrophen. Doch in der psychotherapeutischen Arbeit zeigt sich oft ein anderes Bild. Trauma ist nicht nur das, was passiert ist – sondern vor allem das, was danach in uns weiterwirkt. Vielleicht kennst du das Gefühl, plötzlich überwältigt zu sein, ohne genau zu wissen warum. Oder du reagierst in bestimmten Situationen stärker, als es „eigentlich“ angemessen wäre. Vielleicht gibt es Momente, in denen du dich innerlich zurückziehst, erstarrst oder wie abgeschnitten fühlst. All das können Spuren von Erfahrungen sein, die dein System einmal überfordert haben. Trauma entsteht dann, wenn unser Nervensystem eine Situation nicht ausreichend verarbeiten kann. Das kann bei einmaligen, intensiven Erlebnissen passieren – aber auch bei wiederholten, subtileren Erfahrungen wie emotionaler Vernachlässigung, Unsicherheit oder fehlender Bindung. Besonders prägend sind oft frühe Erfahrungen, in denen wir als Kinder keine Möglichkeit hatten, das Erlebte einzuordnen oder Hilfe zu bekommen. Das Entscheidende ist: Unser System „vergisst“ solche Erfahrungen nicht einfach. Stattdessen findet es Wege, damit umzugehen. Wenn Erfahrungen sich aufteilen: Innere Anteile verstehen Eine hilfreiche Perspektive aus der modernen Traumatherapie – insbesondere aus der TIST (Trauma-Informed Stabilization Treatment) – ist die Arbeit mit sogenannten „inneren Anteilen“. Dabei gehen wir davon aus, dass unsere Psyche nicht einheitlich ist, sondern aus verschiedenen inneren Zuständen besteht. Diese Anteile haben sich entwickelt, um mit belastenden Erfahrungen umzugehen. Ein Teil in dir trägt vielleicht Angst, Überforderung oder Einsamkeit – oft verbunden mit sehr frühen Erfahrungen. Gleichzeitig gibt es andere Anteile, die versuchen, dich zu schützen. Sie sorgen dafür, dass du funktionierst, stark bist, dich anpasst oder die Kontrolle behältst. Vielleicht kennst du Gedanken wie: „Reiß dich zusammen.“ „Das ist doch nicht so schlimm.“ „Ich muss das alleine schaffen.“ Diese Stimmen sind keine „Fehler“, sondern Ausdruck von Schutzmechanismen. Sie haben eine wichtige Funktion: Sie helfen dir, den Alltag zu bewältigen und nicht von alten Gefühlen überflutet zu werden. Trauma lebt in uns weiter – aber nicht als Ganzes Aus TIST-Perspektive wird Trauma nicht als etwas gesehen, das „du bist“, sondern als etwas, das von bestimmten Anteilen in dir getragen wird. Das bedeutet: Es gibt nicht den einen traumatisierten Menschen, sondern Anteile, die bestimmte Erfahrungen gespeichert haben – und andere, die davon nichts wissen wollen oder sie aktiv vermeiden. Das erklärt, warum du dich manchmal widersprüchlich erlebst.Ein Teil von dir möchte Nähe, ein anderer zieht sich zurück.Ein Teil fühlt sich klein und verletzlich, ein anderer funktioniert perfekt. Diese inneren Dynamiken sind kein Zeichen von Schwäche oder „Unstimmigkeit“, sondern Ausdruck eines sehr intelligenten Systems, das versucht hat, dich zu schützen. Viele Menschen versuchen, belastende Gefühle zu kontrollieren oder „hinter sich zu lassen“. Doch wenn Trauma in Form von Anteilen gespeichert ist, stößt dieser Ansatz an Grenzen. Denn die Anteile, die Schmerz oder Angst tragen, brauchen etwas anderes als Kontrolle:Sie brauchen Kontakt, Verständnis und Sicherheit. Und die schützenden Anteile brauchen ebenfalls Anerkennung. Denn oft haben sie über Jahre hinweg dafür gesorgt, dass du funktioniert hast – manchmal um den Preis von innerer Anspannung, Perfektionismus oder emotionalem Rückzug. In der TIST-Arbeit geht es deshalb nicht darum, etwas „wegzumachen“, sondern darum, eine neue Beziehung zu den eigenen inneren Anteilen zu entwickeln. Ein zentraler Gedanke in TIST ist: Veränderung geschieht durch Beziehung. Das gilt nicht nur im Kontakt zwischen Therapeut:in und Klient:in, sondern auch im inneren Erleben. Wenn wir beginnen, unsere eigenen Anteile wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten oder zu verdrängen, entsteht etwas Neues. Statt gegen uns selbst zu kämpfen, können wir lernen, uns zuzuwenden. Das kann bedeuten: einen überwältigten Anteil innerlich zu beruhigen einen kritischen Anteil besser zu verstehen wahrzunehmen, wann ein Schutzmechanismus aktiv wird Dieser Prozess braucht Zeit, Sicherheit und oft auch therapeutische Begleitung. Aber er eröffnet die Möglichkeit, sich selbst auf eine tiefere Weise kennenzulernen. Du bist mehr als deine Erfahrungen Trauma kann tiefe Spuren hinterlassen. Aber es definiert dich nicht als ganzen Menschen. In dir gibt es nicht nur die Anteile, die Schmerz tragen oder schützen müssen. Es gibt auch Anteile, die neugierig sind, lebendig, verbunden und wach. Die Arbeit mit TIST hilft dabei, all diese Teile sichtbar zu machen – und einen inneren Raum zu schaffen, in dem sie nebeneinander existieren dürfen. Heilung bedeutet in diesem Sinne nicht, etwas auszulöschen.Sondern wieder mehr Ganzheit zu erleben. Und Schritt für Schritt wieder mehr bei sich selbst anzukommen.

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Unterschied Psychotherapie Psychologie

Viele Menschen, die Unterstützung für ihre psychische Gesundheit suchen, stoßen auf verschiedene Berufsbezeichnungen, etwa Psychotherapeutin oder Psychotherapeut, klinische Psychologin oder klinischer Psychologe, Lebens und Sozialberaterin oder Lebens und Sozialberater sowie Psychiaterin oder Psychiater. Besonders häufig entsteht dabei Verwirrung zwischen Psychotherapie und klinischer Psychologie. Beide Bereiche arbeiten mit Menschen, die psychische Belastungen erleben, dennoch unterscheiden sich Ausbildung, Methoden und Zielsetzung.

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Tod, Trauer, Verlust Psychotherapie

Tod, Verlust und Trauer gehören zu den existenziellsten Erfahrungen im menschlichen Leben. Sie entziehen sich oft der Sprache und stellen bisherige Sicherheiten infrage. Wenn ein nahestehender Mensch stirbt, verändert sich nicht nur der Alltag, sondern auch das innere Erleben die Beziehung zur Welt und häufig das Bild von sich selbst. Trauer ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Reaktion auf Verlust. Und dennoch geraten viele Menschen in ihrem Trauerprozess an Grenzen, die sie alleine kaum bewältigen können.

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Essstörungen und digitale Medien

Essstörungen entwickeln sich selten plötzlich. Sie entstehen meist über einen längeren Zeitraum und sind eingebettet in persönliche Lebensgeschichten, Beziehungserfahrungen und gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie ein Körper auszusehen hat. In meiner psychotherapeutischen Arbeit zeigt sich immer wieder, dass Essstörungen weit über das Thema Essen hinausgehen. Sie sind Ausdruck innerer Spannungen und häufig verbunden mit Fragen nach Selbstwert Kontrolle Zugehörigkeit und Sichtbarkeit.

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Winterdepression

Winterdepression verstehen und gut durch die dunkle Jahreszeit kommen Viele Menschen merken es schon mit Herbstbeginn. Die Tage werden kürzer, das Licht wird spärlicher und plötzlich verändert sich etwas im Inneren. Die Stimmung sinkt, der Antrieb lässt nach und der Alltag fühlt sich schwerer an als sonst. Für einige ist das ein vorübergehendes Stimmungstief, für andere eine ausgewachsene Winterdepression, auch saisonale Depression genannt. In meiner Praxis erlebe ich diese Jahreszeit jedes Jahr als Phase, in der viele Klient:innen mit ähnlichen Fragen kommen. Warum geht es mir plötzlich so? Liegt es an mir oder an der Jahreszeit? Und vor allem was kann ich jetzt tun, damit es leichter wird? Zuerst ist es wichtig zu verstehen, was eine Winterdepression ist. Sie entsteht, wenn der Körper weniger Licht bekommt und dadurch bestimmte Botenstoffe verändert gebildet werden. Melatonin, das Schlafhormon, steigt und macht müde. Serotonin, das Stimmungshormon, sinkt und wirkt sich auf Antrieb und Wohlbefinden aus. Dazu kommt oft ein veränderter Tagesrhythmus, weniger Bewegung und der Rückzug nach innen. Viele beschreiben es als Gefühl von Nebel im Kopf, eine gedämpfte Wahrnehmung oder das Gefühl, innerlich schwerer zu werden. Diese Reaktionen sind nicht Ausdruck von Schwäche. Sie sind nachvollziehbare Antworten des Körpers auf reale Veränderungen in der Umgebung. Was viele zusätzlich belastet, ist der innere Druck, trotzdem zu funktionieren. Genau hier beginnt meist die Spirale, die die depressive Stimmung verstärken kann. Wenn wir gegen unseren Zustand ankämpfen, erzeugen wir Anspannung. Wenn wir ihn hingegen anerkennen, entsteht Raum. Raum, um wieder mit uns selbst in Kontakt zu kommen. Es gibt einige Dinge, die schnell Entlastung bringen können. Sie müssen nicht kompliziert sein und erfordern kein umfassendes Umwerfen des Lebens. Oft wirken kleine, konsequent umgesetzte Schritte erstaunlich gut. Ein erster hilfreicher Zugang ist Licht. Natürliches Tageslicht hat eine enorme Wirkung auf den Biorhythmus. Schon zehn bis fünfzehn Minuten draußen, am besten am frühen Vormittag, können das innere Gleichgewicht unterstützen. Für manche Menschen ist zusätzlich eine Tageslichtlampe sinnvoll. Sie ersetzt zwar nicht die Sonne, sie kann aber helfen, den Melatonin -Serotonin Rhythmus zu regulieren. Wichtig ist, sie täglich zu nutzen und sich nicht erst dann darauf zu verlassen, wenn es schon sehr schlecht geht. Bewegung ist ein weiterer stabilisierender Faktor. Sie muss nicht intensiv sein. Ein Spaziergang, leichtes Yoga oder ein ruhiges Ausdauertraining reichen oft aus, um die Stimmung spürbar zu verbessern. Der Körper produziert dabei Neurotransmitter, die direkt auf die depressive Symptomatik wirken. Viele meiner Klientinnen berichten nach einigen Tagen, dass sie wieder das Gefühl bekommen, innerlich klarer zu werden. Ein stabiler Tagesrhythmus ist ebenfalls unterstützend. Gerade wenn die innere Müdigkeit zunimmt, hilft es, gewisse Strukturen beizubehalten. Aufstehen zu einer ähnlichen Zeit, regelmäßige Mahlzeiten, bewusste Pausen und Phasen der Ruhe. Struktur bedeutet in diesem Kontext nicht Härte, sondern Halt. Manchmal braucht es auch einen Blick auf die Ernährung. Der Körper reagiert in dieser Jahreszeit sensibel auf Blutzuckerschwankungen und zu wenig Energiezufuhr. Proteinreiche, nährstoffdichte Mahlzeiten unterstützen die Stabilität. Viele Menschen berichten im Winter von erhöhtem Appetit auf Kohlenhydrate. Das ist physiologisch erklärbar und kein Grund zur Sorge. Oft hilft es, diesen Appetit bewusst und ausgewogen zu integrieren, statt dagegen anzukämpfen. Trotz all dieser Möglichkeiten kann es Phasen geben, in denen die Symptome zu belastend werden, um sie alleine zu regulieren. Genau hier setzt Psychotherapie an.  In der gestalttherapeutischen Arbeit geht es darum, wahrzunehmen, wie du im Kontakt mit dir selbst bist. Welche Bedürfnisse auftauchen. Welche inneren Stimmen laut werden. Und welche Erfahrungen aus der Vergangenheit vielleicht im Winter stärker hervortreten. Die dunklere Jahreszeit wirkt wie ein Verstärker. Sie bringt das an die Oberfläche, was ohnehin in uns wirkt. Therapieraum bedeutet, gemeinsam hinzuschauen und ein Verständnis zu entwickeln, das über die reine Symptomreduktion hinausgeht. Manche Menschen erleben im Winter ihre innere Kind Ebene deutlicher. Gefühle von Einsamkeit, Unverbundenheit oder alten Schutzmustern werden spürbarer. In der therapeutischen Begleitung können diese Muster behutsam erkundet und in einen neuen Kontext gebracht werden. Oft entsteht im Laufe der Arbeit ein stabileres Gefühl von innerer Präsenz, das auch in herausfordernden Zeiten trägt. Wichtig ist, zu wissen, dass eine Winterdepression behandelbar ist. Sie ist ein ernstzunehmender Zustand, aber kein endgültiger. Mit Wissen, Selbstunterstützung und therapeutischer Begleitung kann diese Jahreszeit sogar zu einer Phase werden, in der du dich selbst besser kennenlernst und neue Wege der Selbstfürsorge entwickelst. Wenn du merkst, dass die dunklen Monate dich besonders fordern, musst du nicht darauf warten, dass es im Frühling wieder leichter wird. Unterstützung hilft. Und manchmal ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, gut für dich zu sorgen.    

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Geburtstraumatisierung

Die Geburt gilt oft als der Beginn des Lebens – ein Moment voller Hoffnung, Staunen und Verbundenheit. Doch nicht jede Geburt verläuft sanft oder sicher. Viele Menschen kommen unter schwierigen, medizinisch belastenden oder emotional überfordernden Umständen zur Welt: Zangengeburt, Kaiserschnitt, Saugglocke, Nabelschnurkomplikationen, Sauerstoffmangel, der Einsatz des Kristeller-Griffs, frühe Trennungen von der Mutter – all das kann für das Neugeborene (und auch für die Mutter) traumatisch sein.Was dabei häufig vergessen wird: Eine Geburt, die medizinisch „gut ausgegangen“ ist, kann seelisch dennoch Spuren hinterlassen.

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Kommunikationsprobleme in der Paartherapie

In jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen. Am Anfang fühlen sie sich oft leicht und selbstverständlich an: Nähe entsteht fast von allein, man versteht sich ohne viele Worte und geht mit Freude gemeinsam durchs Leben. Doch mit der Zeit können Konflikte, unausgesprochene Erwartungen oder alte Verletzungen das Miteinander belasten. Plötzlich steht man nebeneinander statt miteinander, Gespräche werden zu Streits oder bleiben ganz aus, und man fragt sich: Wie sind wir hier gelandet?

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Kinderwunsch-Freude und Schmerz

Vielleicht kennst du das Gefühl, dass der Wunsch nach einem Kind immer präsenter wird. Anfangs ist da vielleicht Vorfreude, Hoffnung, ein sanftes „Ja“ zum Leben. Doch wenn der Weg länger dauert, wenn Monate vergehen und sich kein Erfolg einstellt, kann dieser Wunsch beginnen, schwer zu werden – fast wie ein Stein, der auf der Brust liegt.

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Hormone, Psyche, weibliche Gesundheit

Die weibliche Psyche ist vielschichtig – und sie reagiert sensibel auf körperliche Prozesse. Besonders hormonelle Veränderungen im Monatszyklus oder im Rahmen gynäkologischer Erkrankungen wie PMS, PMDS, Endometriose oder PCOS stehen in enger Wechselwirkung mit unserem psychischen Erleben. In der psychotherapeutischen Arbeit mit Frauen zeigt sich immer wieder: Hinter Erschöpfung, Reizbarkeit, Ängsten oder Selbstwertzweifeln stehen nicht selten zyklusbedingte oder hormonell getriggerte Prozesse.

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Psychotherapie bei Angst

Angst gehört zum Leben. Sie warnt uns, schützt uns und bringt uns in Bewegung. Doch manchmal wird sie zu groß. Sie kommt plötzlich, engt ein, nimmt uns den Atem – oder sie ist ständig da, wie ein Grundrauschen im Hintergrund. Viele Menschen erleben diese Zustände als bedrohlich und suchen nach einem Ausweg. In meiner Praxis begleite ich Menschen dabei, wieder Boden unter den Füßen zu spüren – auch mitten in der Angst.

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Gestalttherapie mit EMDR

In der modernen Psychotherapie gibt es eine Vielzahl von Methoden, die unterschiedliche Zugänge zur Behandlung psychischer Belastungen bieten. Zwei besonders effektive Ansätze sind EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) und die Integrative Gestalttherapie. Während EMDR primär zur Verarbeitung traumatischer Erfahrungen eingesetzt wird, konzentriert sich die Gestalttherapie auf das Hier und Jetzt sowie auf die Integration von Emotionen und Körperempfindungen.

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